24. Februar 2016

die Paritäten und die Armen

Meine Lieblingsstatistik ist auf dem Markt. Der Bericht des patitätischen Wohlverbands. Bitte einen Tusch und schon können wir zur Zusammenfassung übergehen: alles schlimm, schlimm, schlimm. 

Die Erhebung errechnet - wer nachlesen möchte Seite 10 aus dem Median (50 % haben mehr, 50 % haben weniger) der Einkommen einen Wert, 60 % davon ist die Grenze zur Armut. Für Mehrpersonenhaushalte ergeben sich daraus gewisse Mischwerte, denn der erste Erwachsene ist 1, jeder weitere über 14 0,5, und jüngere sind 0,3. 4-köpfige Familie 2,1. Warum ? Ist so. Daraus ergeben sich Armutsschwellen bundesweit einheitlich von 917 für Singles und 1651 € für Paare mit zwei Grundschulkindern. Zugute halten kann man diesem Ansatz, dass man mit irgendetwas arbeiten muss. 

Was man daran nicht gefällt: Der Hartz IV Satz für Singles in München liegt bei über 1050 - einschließlich der extrem hohen Unterkunftskosten, von Familien wollen wir lieber gar nicht anfangen. Umgekehrt ist ein Single in Frankfurt/Oder, dem ein Haus gehört, der in Polen einkaufen geht, eine Million auf der Bank hat und an der Fakultät als 1/4-Doktorand weniger als 917 € bekommt automatisch ein Zeichen für die zunehmende Verarmung in diesem Land. 

Das ist in der Erhebung aber bewusst vermieden - Seite 13 - und das ist dann der Grund warum ich so wenig Lust auf diesen Blödsinn habe. Nicht ganz zu Unrecht daher ein Kommentar im Spiegel. Die Statistik gibt ein falsches Bild der Armut ab, das erkennt man auch daran, dass die Länderzahlen zu Armut und Hartz IV teilweise wenig miteinander zu tun haben - Seite 19 (in Berlin 20 % Armut, 20,2 % Hartz IV - also sind Hartz Iv Empfänger in Berlin nicht unbedingt arm).

Ich wehre mich nicht gegen der Ansatz, dass vermutlich 1/5 der Bevölkerung arm sind. Ich halte das allerdings auch - wenn man es in Relation setzt für kaum vermeidbar. Wenn Armut im Bezug zu den Einkünften anderer steht, wird es immer eine definierte Armut geben - es sei denn alle bekommen das selbe Gehalt. Nur sind die Schlussfolgerungen (Transfer) dieses statistischen Unsinns - z.B. keine Kaufpreisbereinigung - geradezu grotesk und manche Erkenntnisse sind banal. Besonders betroffen von Armut sind Arbeitslose und Alleinerziehende. Nur mal so: das Gehalt dient als alleiniger Maßstab und dann sind die Arbeitslosen arm. Ne, oder? Arbeitslosengeld = 60 % des letzten Einkommens. Logisch, dass man in diesem Bezug schon bei Arbeitslosengeld II arm ist. 

Nur: arm ist auch der Arbeitslose, der gerade auf Rente zugeht, kein Alg I mehr bekommt und gerade 200.000 Abfindung entgegen genommen hat. Die Alleinerziehende, die das Haus übernommen hat, von den Rücklagen herunterbeißt und lediglich geringes Einkommen erzielt ist auch arm. Der statistische Ansatz ist nichts wert, wenn umgekehrt der Erwerbstätige, der in einer teuren Umgebung wohnt und durchschnittlich verdient als "reich" gilt. 

Die Statistik beweist vor allem, dass in Deutschland unterschiedlich verdient wird. Mehr aber auch nicht. Denkt man das logisch zu Ende müssten diejenigen mit höherem Einkommen denen mit niedrigerem Einkommen etwas abgeben. Und da fängt bei mir der Unsinn an. Man kann nicht Einkommen ohne Kosten vergleichen und einen Transfer einfordern. Der Hartz IV-Empfänger in München ist nicht arm, könnte dann also Solidarität üben - oder? 

Wenn man das Thema ernsthaft angeht, müsste man die Einkommen relativieren. Warum verdient man in München mehr? Weil die Kosten höher sind. Man kann nicht München mit der Uckermark vergleichen und daraus die Konsequenz ziehen, dass dort extrem viele Arme leben, die dann automatisch mehr Geld brauchen, das man von den besser verdienenden in den Wirtschaftsräumen einfach ohne Rücksicht abzieht. Ebenso ist es mit den Rentnern: leben diese im eigenen Haus, haben Sie Ersparnisse oder geben wir einfach mal "den armen Rentnern" als arme Gruppe mehr?

Ich brauche nicht diese Selbstbestätigung der Paritäten: es braucht mehr intelligenten Wohnungsbau, mehr Bildung, mehr Chancen für Kinder aus einkommensschwachen Familien, mehr dies, mehr das. Mehr Alg II. Aber bitte nicht immer diese Statistik, nach der in den teuren Bundesländern angeblich besonders wenige und in denen mit niedrigen Lebenshaltungskosten besonders viele Arme leben. Das ist einfach nciht die Wahrheit.

Bitte hört endlich mit Platitüden auf: man bemisst Armut nach der Höhe des Einkommens und stellt erschreckt fest, dass Menschen ohne Einkommen arm sind. Wie soll das denn anders sein?






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