22. Januar 2016

selbständige Putzfrau - der Selbstversuch

In der Regel beschäftigt man ja seine Putzfrau schwarz. Oder? Ist nicht ganz legal, aber 65 innerorts wird auch sanktioniert und das machen trotzdem sehr viele. Das dumme vor allem: man findet ja keine legal arbeitende Putzfrau. Suchen Sie mal, die meisten wollen schwarz arbeiten (nein, die bekommen kein Hartz IV und verschleiern das, das kann ich mir nicht vorstellen, das würde niemand tun, nur Menschen, die andere Menschen scharz beschäftigen). 

Dumm an der schwarz arbeitenden Putzfrau ist § 110 Absatz 1a SGB VII, den auch Sozialrechtler nicht immer im Auge haben. Nehmen wir an Ihre Putzfrau (nette bulgarische Bekannte auf der Durchreise) stürzt - was Gott verhüten möge, aber der hat seine Augen auch nicht immer überall - mit dem guten Vorwerk die Treppe hinab und ist anschließend vom Halswirbel abwärts gelähmt. Dann ist das eigentlich ein Arbeitsunfall und die BG geht wegen folgender Ansprüche bei Ihnen in Regress: Behandlungskosten, Reha, Rente. Ihr Haus brauchen Sie dann nicht mehr weiter abzahlen. Klar sagen Sie jetzt, die bulgarische bekannte hat sich mit mir verbrüdert und hält sicht, auch wenn ihr nachher jemand erzählt, die BG übernehme die reha und dann die Rente usw.

Deshalb haben wir eine nette rumänischstämmige Unternehmerin angeheuert, die Rechnungen stellt, einschließlich Umsatzsteuer. Derzeit ein Ein-Frau-Betrieb. Ist sie deswegen automatisch selbständig? Keine Ahnung. Was ein Sozialgericht ausurteilt, weiß kein Mensch. Dafür gibt es dann § 7a SGB IV. Soweit so gut. Haben wir gemacht. Man kann ja schlecht andere beraten und dann selbst so tun als sei nichts.

Wesentliche Aspekte, die für eine Beschäftigung sprechen: 

Es wird im Haushalt der Auftraggeber gearbeitet. Das ist nicht von der Hand zu weisen und man kann es auch nicht schönreden. Unser Haus wird geputzt, unser Haus ist irgendwie in unserem Haushalt. Ja, doch. Wie das bei Putzfirmen läuft, die Büros putzen? Ganz einfach: ist kein Haushalt. Da das haus aus betonplatten montiert ist, könnte man es vielleicht abbauen, woanders putzen lassen, dann wäre das nicht mehr im Haushalt. ich muss mich da schlau machen.

Die Vergütung erfolgt pauschal. Auftrag: Haus putzen, Preis pro Putz = X. So wie Schuhe besohlen. Zwei paar Schuhe = X. Und ich Depp dachte schon, stundenweise Abrechnung sei ein Problem. Wenn es dabei bleibt, steigen wir auf quadratmeterweise Abrechnung um.

Die Putzmittel werden pauschal berechnet. Schön, denkt sich da der Anwalt, eigene Putzmittel und Putzutensilien, dokumentiert dadurch, dass die Putzmittel auch von der Putzfirma abgerechnet werden. So wie Ölwechsel. Das Öl ist auch pauschal, der Preis hängt von der menge ab, aber die steht ja auch fest.

Die Termine werden abgestimmt. Die Putzfirma kommt nach meinem Kenntnisstand meistens Mittwochs und muss dann ins haus. Schlüssel liegt dann am vereinbarten ort. Ich weiß zwar nicht wie die sonst ins Haus kommen sollen, aber gut, dann bekommt die Putzfirma einen eigenen Schlüssel, mea culpa.

Es wird das Ergebnis kontrolliert. Da bin ich jetzt ratlos. Weisungen gab es keine, zeit wurde nicht kontrolliert, aber wenigstens grob ob sauber. Wenn Sie demnächst etwas in Auftrag geben, Fliesen legen, Maler, Klo verstopft: Kontrollieren Sie nichts! Bloß nicht! Wenn vereinbart ist, dass etwas gemacht wird, nicht kontrollieren. Nie. Sonst Arbeitnehmer. Und bitte auch keine Mängel rügen. 

Wer zum ersten und letzten Punkt Ideen hat: ich bin jeder Kommentierung gegenüber aufgeschlossen.

Kommentare:

  1. Ich verstehe das auch bis heute nicht. Wenn bei mir nämlich der Elektroniker eine zweite Steckdose einbaut oder eine Lampe montiert, arbeitet er auch in meinem Haushalt. Auch kontrolliere ich die Arbeit, immerhin wäre es ganz gut, wenn die installierte Lampe läuft. Weisungsbefugt bin ich dort auch. Natürlich. Wenn ich sage, er soll verschwinden, dann muss er verschwinden, ebenso wie er genau das machen muss, was ich beauftragt habe. Also kein Argument: weisungsbefugt ist jeder Auftrag- und Arbeitgeber.

    Bisher kam ich nicht auf die Idee, ihn anzumelden. Wieso? Er ist selbständig!

    Ebenso wie die Putzfrau selbständig ist, wenn sie bei mehreren Leuten arbeitet. Meine ist es. Sie arbeitet bei mehreren Leuten und davon bei mir am wenigsten.

    Dennoch habe ich sie angestellt. Ergibt für mich zwar bis heute keinen Sinn, eine Selbständige anzustellen, aber offensichtlich ist das so gewollt. Dass sie wohl Steuern hinterzieht, ist nicht meine Sache. Was weiß ich, was die Handwerker alles an Steuern hinterziehen.

    Ärgern tu ich mich darüber aber nicht. Mir geht es vor allem darum, dass der schon etwas älteren Dame nichts passiert und sie zur Not versorgt ist, falls doch eines Tages mal ein Unfall geschehen sollte.

    AntwortenLöschen
  2. Herrje, darf denn wenigstens ein/e Putzfrau oder Mann, die/der für eine WEG das Treppenhaus putzt eine Rechnung stellen und als selbstständig gelten? (Allerdings verstehe ich die Aussage des Artikels nicht so recht: schreibt ihre Putzfrau jetzt Rechnungen oder ist sie angestellt auf LSt-Karte?) Mmmh...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

      Löschen
  3. 1. Kommt darauf an. Ist es das Haus der WEG, wer stellt die Putzmittel, wer gibt die Zeit und den Ort vor, wie sieht es mit Weisungen aus (wie viel Wasser usw.), was wird kontrolliert, Zeiterfassung...
    2. siehe 1. - Sie sind ungeduldig, wo bleibt der Spannungsbogen ;-) Derzeit schreibt sie Rechnungen, wie ich finde völlig zu Recht. Der Bescheid ist noch nicht da und wenn er kommt, muss man weiter sehen.

    AntwortenLöschen