8. Januar 2016

Mindestlohn für Selbständige

Ein wirklich cooler Vorschlag kommt von Kerstin Andreae, die für die Grünen im Bundestag sitzt: Mindesthonorar für Selbständige. Dann also Tarifabschlüsse für Selbständige je nach Branche und Sozialversicherungsbeiträge auf die Rechnung. Interessant wäre dann die Branche zu bestimmen. Bauhauptgewerbe oder Gastro? Automobilindustrie oder Handwerk? Mal 20, mal 100 € pro Stunde.

Frau hat gehört, es gäbe da ganz entsetzliche Dinge. Zum Beispiel Architekten oder Anwälte, die als feste Freie arbeiten. Für 1200 € pro Monat. "Auf Rechnung". 50 Stunden die Woche (immerhin bei freier Wahl der privaten Krankenversicherung). Nein! Doch! Oh! (die älteren kennen noch Louis de Funes) Das gibt´s? Echt jetzt? Nein! usw. 

Irgendwo in § 7 SGB IV versucht sich das Sozialversicherungsrecht in einer Unterscheidung zwischen Selbständigen und Beschäftigten. Ich überlege nun bei allen Kriterien wie eine Honorarkraft (allein der Ausdruck rollt mir die Zehennägel) selbständig sein soll, die nach einer öffentlichen Vereinbarung abrechnet und dabei noch Zuschüsse zur Sozialversicherung verlangt. Unternehmerisches Risiko? Nö, Mindestlohn ist auf alle Fälle. Tragung der Krankenversicherung? Nö, wie bei Beschäftigten anteilig. Vielleicht sollte man noch das Auftragsrisiko auf den Auftraggeber übertragen? Das würde für viel mehr Sicherheit sorgen (ich hätte mir das auch immer gewünscht).

Lassen wir mal wie hoch das Mindesthonorar sein müsste. 50 Euro, 60 Euro pro Stunde. Wenn man das ausrechnet, wird den meisten ohnehin ganz anders.Und wie bemisst sich der Zuschuss zu den Versicherungen? Nach Stundensatz, pauschal, je nach Monat, wird durch Gesetz geregelt? Ich dachte immer, das sei im Honorar enthalten. Aber ich gebe zu, man kann auch neue Wege gehen. Wie wird das dann bei Handwerkern? Etwa der polnische Fliesenleger? Bekommt derjenige, der Angestellte hat ein höheres oder kein gebundenes Honorar? 

Fragen über Fragen. Aber vielleicht ist das ja einfach nur ein bisschen Populismus. Wenn ich ehrlich bin, ist das Problem, gar kein Problem. Eigentlich geht es hier vermutlich gar nicht um Selbständige, eigentlich geht es um Scheinselbständigkeit, aber das ist wieder etwas anderes.

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