27. Januar 2016

hemmungsloses Grundeinkommen

Eine Idee macht Karriere, meint die SZ in einem Kommentar zum Grundeinkommen und endlich kommt ein Kommentar, der sich mit den Risiken und Nebenwirkungen auseinander setzt. Nicht nur mit der Finanzierung (über die man ohnehin gar nicht Nachdenken sollte) Zum Beispiel mit der Frage, was Menschen mit mehr Bedarf machen, z.B. Pflegefälle. Oder wie der Ausgleich in einem Sozialstaat funktioniert.

Grundeinkommen hört sich charmant und gleich an und ist doch eine abstruse Idee. Gleichheit ist ja ein großes Ziel. Ich bin sehr für Gleichheit, aber es fängt ja schon bei der Geburt an. Manche sind intelligenter, andere schöner, manche sind schöner und intelligenter. Abgesehen von der Finanzierungsproblematik taucht die Frage auf, wie es bei den teilweise angestrebten 1000 € bleiben soll, wenn der Anreiz zu Arbeiten allein wegen der höheren Abgaben und der fragwürdigen Attraktivität vieler Arbeitsplätze gesteigert werden muss und die erhöhten Steuern zwangsläufig zu höheren Preise führen. Manche gehen ja davon aus, dass die Preise sinken, da ja der Grundbedarf gedeckt ist. Wie das Einnahmensystem bei sinkenden Preisen funktioniert, ist ein Mysterium, das mir bis heute nicht einleuchtet.

Selbst wenn man davon ausgeht, dass 20 % der Bevölkerung aufstockende Leistungen bekommen, muss man sich fragen, warum die restlichen 80 %, die keine Leistungen bekommen zwangsweise auf Kosten der Gesamtheit mit 1000 € zwangsbeglückt werden müssen. Was soll dieser Ansatz? Ich erschaffe ein System, das 80 % der Menschen nicht brauchen mit der Idee, der Menschheit ein Gesicht zu geben, das irgendwie glücklicher ist, andererseits aber nicht dazu führt, dass niemand mehr arbeitet. An sich bleibt irgendwie alles gleich, aber es wird anders, weil der Ansatz dahinter beglückender ist. Genau, ja, ein gelingendes Leben. Klar. Wenn eine Idee nur großartig genug ist, dann wird sich der Weg schon finden. Man muss ja nur wollen. Als Kind des 20. Jahrhunderts habe ich etwas Probleme mit Ideologien.

Nur, warum brauche ich für die Chefarztgattin ein Grundeinkommen? Warum soll jemand, der Landgüter besitzt vom Staat Geld bekommen? Warum sollen Kinder reicher Eltern auf Kosten der Allgemeinheit 52 Semester vor sich hin studieren, wenn sie in Papis Wohnung kostenlos unterkommen? Daher komme ich von meinem Klischee auch nicht weg: Philosophiestudenten, die irgendwo an der Ostsee mit den 1000 € gemütlich im Kreis sitzen um endlich entfernt von Zwängen Wege zu einer gerechten Gesellschaft diskutieren. Erstes Anliegen: Legalize - was auch immer.

Bitte. Wir brauchen eine anständige Versorgung für Bedürftige. Kein Taschengeld für Menschen, die noch überlegen was sie machen sollen und inzwischen mal was echt kreatives versuchen, das sie jetzt mal wirklich weiterbringt. Vielleicht hat das etwas mit spießigem Erwachsen-sein zu tun. Das nennt man Verantwortung. Peter Pan hatte übrigens auch kein Grundeinkommen. 


1 Kommentar:

  1. Für Verdiener soll es ja bei den meisten Modellen kein Geld geben, sondern Steuerfreibeträge. Wenn man sich das durchdenkt, ist die Revolution doch eher weiter weg. ;) Denn soviel Unterschied zu heute gibt es dann nicht mehr. Am Ende ist es eine große Umrechnerei, die vielleicht etwas mehr unerwünschte Steuerungseffekte hat und auch etwas Personal einsparen könnte.

    Realistisch halte ich es nicht. Wir haben so ein abgestuftes System. Man schaue sich nur die Durchleitung eines Kranken von Entgeltfortzahlung, zu Krankengeld und Arbeitslosengeld zur Rente. Will man so ein System mit seinen Leistungsanrechnen wirklich der Gleichmacherei opfern? Ich weiß ja nicht...

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